Sonntag, 28. September 2008
Nach den Wahlen... der Kater
Mein Ziel konnte ich nicht erreichen. Ich wurde weder als nebenamtliche Gemeinderätin noch als Stadträtin gewählt. Im Stadtrat landete ich auf dem 21. Platz von 41 Kandidierenden. Damit bin ich auf dem siebten Ersatzplatz, bei 13 Gewählten, nachdem ein Gewählter auch in den nebenamtlichen Gemeinderat gewählt wurde.
Das ist ein schöner Erfolg, bedenkt man, dass ich mindestens halb so viele Panaschierstimmen bekommen habe wie die Gewählten oder gar fünfmal weniger als derjenige mit den meisten Zusatzstimmen anderer Parteien. Damit ist klar, dass ich von der eigenen Partei einigermassen bis sehr gut unterstützt wurde. Hätte mich auch die nominierende Sektion mit vollem Einsatz unterstützt, dann hätte ich vielleicht die Wahl in den Stadtrat geschafft. Es fehlten mir bloss 217 Stimmen oder 109 Personen, die mich zweimal auf die Liste gesetzt hätten. Das sind so wenige, dass ich mich fragen muss, ob ich selber genügend getan habe, um sie nicht selber holen zu können. Oder hätte mich meine Gewerkschaft VPOD oder der Gewerkschaftsbund so unterstützt wie andere, hätte es auch reichen können. Aber das lässt sich in Zukunft ja ändern.
Auf der nebenamtlichen Gemeinderatsliste erfuhr ich eine Enttäuschung, die ich mir in dieser Deutlichkeit natürlich nicht gewünscht habe. Aber ich nehme das hin und versuche daraus die notwendigen Lehren für meine weitere politische Arbeit zu ziehen.
Wahltag ist Zahltag, habe ich gelernt. Da ich noch nicht so lange sichtbar aktiv in der Bieler Politik bin, habe ich von den Stimmbürger einen tollen Zahltag bekommen. Ich werde es ihr danken, indem ich an meinen Wahlversprechen, nämlich mich für eine Integration für alle einzusetzen, festhalte und versuchen werde bis zu den nächsten Wahlen sichtbare Resultate vorweisen zu können. Vielleicht werde ich in vier Jahren wieder kandidieren und dann einen entscheidenden Schritt vorwärts machen. Bis dahin gibt es viel zu tun und es muss ja auch Menschen geben, die ausserhalb von Amt und Würden Beiträge zu einem schönen und angenehmen Leben leisten.
Freitag, 5. September 2008
Start meiner Tour de Bienne des immigrants
Einerseits möchte ich natürlich diese Stimmen als Stadtrats- und Gemeinderatskandidatin gewinnen. Andererseits möchte ich die ImmigrantInnen sensibilisieren für die demokratischen Wahlen und das politische Leben hier in Biel überhaupt .
Was ich dabei erleben werde, will ich auf meinem Blog via Twitter protokollieren. In drei Wochen sollte so ein Stimmungsbild über die Stadt Biel aus der Sicht der EinwanderInnen entstehen. Daraus leite ich dann meine weiteren politischen Aktivitäten ab.
Beobachten Sie mich, wie ich beobachte und nehmen Sie mit mir Kontakt auf, wenn Sie das Bedürfnis haben mit mir über meine politische Arbeit zu reden. Teilen Sie Ihre Sicht und Ihre Erfahrungen mit mir. Helfen Sie mit, ein differenziertes Bild über die ImmigrantInnen herzustellen.
So war's an der African Night
Fast 80 Gäste, Frauen, Männer und Kinder, Schwarze, Weisse und alle Schattierungen dazwischen, durfte ich an der "African Night for Juliet" begrüssen. Das war und ist immer noch eine unglaubliche Freude und bestätigt mich in meiner Annahme, dass es ein Bedürfnis bei den Immigrantinnen und Immigranten gibt, sich gemeinschaftlich politisch zu betätigen.
An diesem Abend waren über 15 Nationalitäten vertreten. Viele natürlich von Afrika, aber auch solche aus Asien und Europa. Wir sprachen deutsch, französich und englisch, alles bunt durcheinander. Und wirverstanden uns an diesem Abend bestens uns zu unterhalten.
Wir tischten dazu Spezialitäten aus Westafrika auf und liessen Musik aus der südlichen Hemisphäre spielen. Auch Ansprachen gab es. So sprach Teres Liechti und Barbara Tanner zu uns als Repräsentantinnen der führenden Frauen in der SP Biel.
Ich bedanke mich nochmals herzlich bei ihnen und bitte meine LeserInnen, sie wieder zu Stadträtinnen zu wählen.Wir liessen das Mikrofon auch offen für unsere Gäste, die uns spüren und wissen liessen, was sie bedrängt und was wichtig ist für sie. Ich habe genau hingehört und werde mich den Anliegen annehmen.
Hier ein paar Impressionen dieses wunderbaren Abends, wofür ich mich bei allen Beteiligten herzlich bedanke!














Donnerstag, 21. August 2008
Wahlprospekt bald in Ihren Händen
Ich habe folgenden Text zu dem Prospekt beigesteuert:
"In dieser Jahreszeit tummeln sich unzählige Menschen aus vielen Ländern im Stadtpark. Wenn es draussen weider nass und kalt ist, verflüchtigen sich die im Stadtpark geschlossenen Freundschaften. Es müsste im Winter einen gedeckten Stadtpark geben. Ein Ort, wo die Kinder spielen und die Erwachsenen sich austauschen können. Denn der Austausch der Bevölkerung ist die Basis für Zusammenhalt, gegenseitiges Vertrauen und gemeinsame Entwicklung."
Ich möchte natürlich noch viel mehr zu diesem Thema sagen. Doch ein Wahlprospekt bietet dazu leider keinen Platz. Darum hier noch zwei, drei vertiefende Gedanken.
Wie die Zeuge der Zeit zeigen, traf man sich hier in Biel in den zahlreichen Kneipen und Restaurants. Das waren damals keine Begegnungsstätten für die ganze Familie und sind es heute nicht. Im schönen Sommer bietet Biel viele alternativen Begegungsraum. Eben wie der Stadtpark, der Elfenaupark oder der Strandboden. Manchmal kommt es mir schon fast vor, ich sei in meiner alten Heimat, wo das Leben fast immer draussen stattfindet. Ausser man arbeitet in einem Büro natürlich.
Wenn aber die doch etwas härtere Zeit wieder kommt mit ihren grauen und nassen Tagen, da fällt das soziale Leben fast in sich zusammen. Die Kindre können ins Kongresshaus schwimmen gehen oder hinaus auf die Eisbahn Schlittschuhlaufen, doch für die Eltern und Erwachsenen geht das eben dann nicht so gut wie im Sommer im Park.
Darum meine ich sollte wir uns Gedanken machen, wie moderne Inhouse-Anlagen geschaffen werden können, wo das unverbindliche Begegnen ganzer Familien möglich wird. An einem solchen Ort könnte dann ganz automatisch die Integration passieren, ohne dass man dafür Sozialarbeiter anstellen muss. Ein solcher Ort sollte den Kindern das Spielen unter sich ermöglichen und den Erwachsenen bei einem Kaffee das Gespräch.
Eigentlich hat ein bekannter amerikanischer FastFood-Anbieter ein solches Konzept umgesetzt. Aber so kommerziell meine ich das nicht. Vielmehr gefallen mir die Instititutionen der langeingesessenen Immigranten aus Italien oder Spanien, wo sich diese reglemässig treffen. Leider bleiben diese sehr unter sich und schachteln sich in ihre Community ein.
Ich stelle mir vor, dass sich die Kulturen eben mischen sollten, dass es keine Schwellen gibt, dass alle daran teilnehmen könnten. Wenn ich ein politisches Mandat anvertraut bekomme, will ich dieses Anliegen verfolgen, die Idee verfeinern und versuchen ein solches Projekt umzusetzen.
Einladung an meine Blog-Leserinnen und Leser
African Night for Juliet
ein.
Diese findet am 30. August 2008 ab 19 Uhr im Rest. Romand in Biel statt. Wir offerieren afrikanische Spezialitäten, lassen Musik aus dem modernen Afrika spielen und diskutieren einen Abend lang über Politik in der Schweiz. Essen und Trinken gibt es solange es hat und danach setzen wir die Party in einem afrikanischem Club für die Tanzfreudigen unter uns fort.Alles andere entnehmen Sie bitte aus dem Flyer.
Ich freue mich heute schon, Sie bei mir begrüssen zu dürfen.
Samstag, 16. August 2008
Ich habe ein Symbol bekommen
Das hier ist mein Symbol:

Wenn ich heute ein Symbol bekommen habe, hat mein Ehemann sicher nicht an diese Kühe gedacht, als er es mir schenkte. Nein, er hat mir ein Symbol kreiert, das folgende Attribute enthält:
Multikulturalität, Weisheit, Leichtigkeit, Harmonie, Gemeinsamkeit und Heimat.
Schon bei den alten Ägyptern stand die Feder für den Begriff "Weisheit". In der modernen Gesellschaft verbinden wird damit das geschriebene Wort, das in den weisen und wahren Büchern für die Ewigkeit festgehalten wurde und wird.
Die Spektralfarben stehen im allgemeinen für Multikultur und Frieden.
Das weisse Kreuz auf rotem Grund ist unser aller Symbol für unsere Heimat, die ich vor 13 Jahren als meine neue Heimat angenommen habe.
Der rote Kreis steht für Vollkommenheit der Form überhaupt. Rot ist die Farbe der Sozialisten in aller Welt, denen ich mich verbunden fühle, weil sie für soziale Gerechtigkeit für alle steht und für eine soldidarische Gesellschaft auf dem ganzen Globus steht.
Ich finde, dass alle drei Elemente das symbolisieren für was ich als Politikerin einstehen will. Fortan will ich dieses Symbol verwenden, um damit selber nie zu vergessen, für was ich einstehe und was ich als wichtig erachte. Zusammenfassend möchte ich sagen, das ich mit Weisheit stets für die Integration aller Menschen egal welcher Herkunft und Hautfarbe in unsere Solidargesellschaft eintreten will. Dabei bin ich auf die Unterstützung aller angewiesen, die dieses Anliegen mit mir teilen können.
Donnerstag, 14. August 2008
Meine Stadtrats-Kandidatinnen-Nummer ist:
Mit dieser Nummer und meinem Namen auf jedem Wahlzettel, der bis am 28. September 2008 in die Bieler Urne gelegt wird und ich bin mit Sicherheit in den Stadtrat gewählt.
Ich finde, es ist eine Glücksnummer und gehört zusammen mit dem Namen Juliet Bucher auf jeden Zettel. Oder?
Noch eine Bitte. Für die nebenamtlichen Gemeinderäte nehmen Sie bitte die Liste 2. Da steht auch mein Namen und ich möchte hier ein achtbares Resultat erzielen. Unterstützen Sie mich? Jetzt schon den allerherzlichsten Dank!
Smartspider
Samstag, 9. August 2008
Die Schweiz braucht Einwanderer
Unter diesem Titel erörterte das „Bieler Tagblatt“ am 7. August 2008 das „THEMA“ Ausländer. Wie heisst es doch so treffend: „an ihren Worten sollt ihr sie erkennen. Müsste das „THEMA“ statt „Ausländer“ nicht „Integration“ oder „ZUSAMMENLEBEN“ heissen? Müsste man nicht befreit von Aufhetzung und Ideologien darüber reden und handeln, wie wir unser Leben gemeinsam gestalten wollen? Wie Menschen verachtend ist es eigentlich Menschen auszugrenzen und ihnen den Titel „Ausländer“ anzuheften wie ein Kainszeichen?
Warum redet man nicht davon, warum die „Inländer“ keine Familien mit Kindern mehr gründen und es dann, falls doch, nicht aushalten mindestens so lange die Kinder auf die Obhut der Eltern angewiesen sind? Warum sollen das die „Ausländer“ den besser machen, wo sie doch potentiell gewalttätig sind und die Sozialhilfe ausbeuten, mit ihrem Nachwuchs und ihren Familien? Weisst man damit den „Ausländer“ nicht automisch auf die unterste Stufe der Gesellschaftsschicht zu? Dort wo Armut herrscht, dort wo man sich wegen dem Kindersegen nichts leisten kann, wo man zu den „Working Poors“ gehört, weil die Arbeit, die sie verrichten nur mies bezahlt werden? Richten damit die „Inländer“ nicht ganz automatisch ein unrechtes Kastensystem ein, obwohl in der Schweiz vor dem Gesetze alle gleich sind?
Ist es so gesehen nicht höhnisch, dass die Schweiz Einwanderer braucht und es sich leistet ihren Nachwuchs aus der Armut zu beziehen? Und zwar nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit, sondern nur um ihre Sozialversicherung und ihren inländischen Generationenvertrag sicherzustellen.
„Multikulturalität ist eine Bereicherung für unser Land“, ist nichts als ist eine abgedroschene Phrase, die vor der Realität keinen Bestand hat. Beispiele gefällig? Wird am Städtebundtheater Biel/Solothurn etwa Chinesisches Theater gespielt? Treten dort etwa afrikanische Theatergruppen auf? Gibt es in Biel eine Musikschule, die sich auf Weltmusik spezialisiert hat? Gibt es in Biel ausschliesslich Lehrerinnen und Lehrer, die grundsätzlich auf ihre vielsprachigen und mehrfachkulturellen Klassen hin ausgebildet wurden und permanent geschult werden, um mit diesen schwierigen Bedingungen umzugehen? Mein Verdacht, dass dem so nicht ist, nährt sich aus meiner Erfahrung als Mutter von drei Söhnen, die in Biel zur Schule gehen und gingen.
Gibt es Massnahmen, die getroffen wurden und entsprechende Einrichtungen, die Mütter und Väter aus allen Herren Ländern auf ihre Elternrolle in der Schweizer Schulen vorbereitet werden? Wie geht man mit Müttern und Vätern um, die sich für ein Engagement in einem Elternrat oder in der Schulkommission interessieren? Ich kann davon erzählen und es würden keine gemütlichen Feierabendgespräche vor dem wärmenden Fernsehapparat werden.
Es ist einfach eine Tatsache, dass wir in einer Welt leben, wo sich alle bewegen müssen. Diejenigen, die meinen die Gemütlichkeit in der Tiefe des Sofas sei für ewig gepachtet und die Globalisierung träfe nur die anderen, müssen damit rechnen in irgendeiner Form sehr unbequem überrollt zu werden. Wer gegen die Globalisierung ist, soll sich bei ihr beschweren gehen.
Ich meine, dass es an unserer aktiven Generation ist, heute die Diskussionen darüber zu führen wie wir handeln müssen, damit unsere Verschiedenartigkeit eine neue Gemeinsamkeit wird, so dass wir die Errungenschaften der hochzivilisierten Schweiz auch an unsere nachfolgenden Generationen weitergeben können, ohne dass diese mit der Schäbigkeit und der Ungerechtigkeit der Armut konfrontiert wurden. Denn Armut generiert Frustration generiert Brutalität generiert Fanatismus und sie generiert vor allem Chancenungleichheit. Und damit verletzen wir unsere Verfassung, auf die wir alle geschworen haben.
Mittwoch, 18. Juni 2008
Hunger in der Welt
Die Schweiz ist UNO-Mitglied. Was haben wir der UNO und deren FAO zur Lebensmittelkrise zu sagen? Ich weiss es nicht, es scheint darüber keine öffentliche Diskussion zu geben.
Die FAO setzte sich das Ziel, bis 2015 die 800 Millionen Hunger leidenden Menschen in der Welt zu verringern. Heute aber sind es 850 Millionen. Die neue Lebensmittelkrise droht, weitere 100 Millionen Menschen Hunger leiden zu lassen.
Der FAO-Gipfel in Rom hätte mehr als über die aktuelle Krise, über den realen Nutzen wie der UNO-Ernährungsorganisation oder der Weltbank debattieren sollen, die bloss einen Geldregen verteilt, der Abhängigkeit schafft. FAO-Präsident Jacques Diuof ist seit 1993 im Amt. In seiner Ära hat sich die Situation verschlimmert. Da muss man sich fragen: ist ein Wandel nicht angebracht? Auch Diouf's Gesprächspartner müssen unter die Lupe. Es sind die Gentech-Produzenten, die Saatgutverkäufer, die Produzenten von Junk Food – jene Unternehmen, die Lebensmittel rund um den Globus reisen lassen. Sie sind es, die mit dieser Krise Gewinn machen.
Notwendig ist ein Übergang zu einer ökologischen Landwirtschaft, die nicht von den multinationalen Unternehmen kontrolliert wird. Eine Landwirtschaft, die von den traditionellen Gemeinschaften praktiziert wurde, der die Prinzipien Diversität, Synergie und Recycling zugrunde liegen. Die Lösung ist ein Netzwerk von lokalen Wirtschaften, die wir in einer Mischung aus Tradition und Innovation verbinden können. Diese sollten unterstützt werden und zwar nicht nur in Afrika, sondern auch in der Schweiz.
Die Agrarindustrie die von ihr verursachten Probleme mit deren Methoden selber lösen zu lassen, die zu ihrer Entstehung geführt haben, nämlich Bodenerosion, Monokulturen, Subventionen und Dumping und der Verlust der Lebensmittelsouveränität, ist falsch. Was wir wollen ist die Freiheit, die eigene biologische Vielfalt zu nutzen. Die Schuld liegt nicht bei den Bauern und auch nicht beim Klima. Beide sind die ersten, die darunter leiden – unter diesen Dingen, die sie nicht erfunden haben. Das sind die Fragen die uns interessieren und nicht ob Ahmadinejad zum Essen nach Rom eingeladen war oder nicht.
Sonntag, 4. Mai 2008
Wieder am Pranger
Anders als mit Polemik und Populismus kann die Blocherpartei nicht politisieren. Das belegen die rassistischen Plakate im ganzen Land einmal mehr. Man könnte sagen, dass eine tote Geiss das Metzgermesser nicht mehr fürchten muss. So lautet ein ghanaisches Sprichwort, das für einen wiederkehrenden Schreckversuch verwendet wird. Das verbraucht sich, wenn man mit derselben Bildsprache für immer wieder nuanciert andere Inhalte den Menschen das Fürchten beibringen will.
Unsereiner jedenfalls regt sich schon etwas weniger darüber auf als auch schon. Wären da nicht die Enthemmungen gewisser Menschen auf der Strasse, die meinen einen andersfarbigen Menschen die Zunge herausstrecken zu müssen, während sie hinter sicheren Busfenstern sitzen.
Seit die Blocherpartei mit ihren ausländerfeindlichen Kampagnen auf Stimmenfang geht, häufen sich die Abartigkeiten der doch sonst wohlerzogenen Einheimischen. Oder sind es eben gerade nur die nicht wohlerzogenen Einheimischen, die sich hinter den Rattenfängern versammeln und meinen ihren Mut zu kühlen, indem sie etwa unseren Nationalrat Rigardo Lumengo mit Bananen bewerfen? Wäre da nicht die kaum zu verdrängende Furcht, dass es, wie Lumengo sagt, nicht eines Tages schlimmere Übertretungen sind, mit denen wir konfrontiert werden.
Ich bin guten Mutes. Ich integriere mich jeden Tag in diese Gesellschaft, in der auch meine Kinder aufwachsen, Schritt um Schritt. Ich will mich politisch für die Integration einsetzen, mithelfen den Hilfloseren Unterstützung zu geben und dazu gehören auch die, die im Zug das Abteil wechseln, wenn ich um den leeren Platz gebeten habe. Menschen, die Menschen hassen, nur weil sie eine andere Hautfarbe haben oder aus einem anderen Land kommen, sind eben auch Hilflose. Vermutlich gehören sie zu den Globalisierungsverlierern, genauso wie viele in meinem Heimatland, die darum flüchten oder elendiglich darben müssen.
Wir sollten es nicht zulassen, dass das Geld über den Wert von Menschen gestellt wird, so wie das gegenwärtig gerade wieder der Fall ist. Es sollte Regeln geben, dass es nicht möglich ist, dass mit Nahrungsmitteln gespielt und gewettet werden kann. Was wir geglaubt haben es würde nie mehr passieren, nämlich dass die Menschen des Südens ihr Essen nicht mehr selber kaufen können, ist zurückgekehrt. Innert weniger Monate hat der unkontrollierte Weltkapitalismus dafür gesorgt, dass in Afrika wieder Reis vom Himmel fallen wird. Damit werden Entwicklungserfolge vieler Jahre ausradiert und zunichte gemacht.
Ich höre Blocher schon wieder sagen: „Ich habe es ja immer gesagt, die Entwicklungshilfe sei Geld zum Fenster hinausgeworfen.“ Er wird sich dafür nicht schämen müssen, sondern den Applaus jener ernten, die sich eigentlich davor fürchten müssten eines Tages vom Kapitalisten Blocher auch einfach fallen gelassen zu werden. Oder glauben die, der Toni Brunner sei ein valabler Ersatz für Blocher?
Vorerst aber wird die Blocherpartei Millionen in Plakataushänge investieren, um den Menschen Sand in die Augen zu streuen. Solange die Milliardäre dieser Welt sich an den Armen dieser Welt bereichern, indem sie immer schneller und unkontrollierter ihre Milliarden um den Globus hetzen, gerade dort wo durch Ausbeutung am meisten zu verdienen ist, desto mehr hungernde Menschen werden rund um den Globus der Nahrung hinterher wandern müssen. Mit oder ohne Schweizer Pass, legal oder illegal. Denn schlimmer als Hunger und Perspektivlosigkeit können auch harte und eiskalte Herzen nicht sein.
Gegen SVP-Plakate gibt es nur eines: fröhliche Gesichter und helfende Hände - das überzeugt längerfristig alle.
Mittwoch, 30. April 2008
Wahlkampfvorbereitungen
Gestern präsentierte ich gemeinsam mit den im Amt und Würde stehenden Gemeinderäten deren Erfolge der vergangenen Legislaturperiode. Ich habe daran keinen Anteil und will mich auch gar nicht mit fremden Federn schmücken. Doch stolz über die Erfolge der SP-Gemeinderäte bin ich auch schon etwas. Ich hoffe natürlich, die nächsten vier Jahre auch meinen Beitrag für eine noch erfolgreichere Bilanz beitragen zu können.
Übrigens ist mir besonders aufgefallen, dass das „Journal du Jura“ viel ausführlicher mit viel mehr Raum auf unsere Bilanz reagiert hat als das grössere „Bieler Tagblatt“. Besteht da ein Zusammenhang, dass die Welschen Sozialdemokraten anders wahrgenommen werden als die Deutschschweizer? Auch der Zugang zu den Archiven wird bei den Zeitungen anders behandelt. Das Journal konnte ich auf den Artikel verlinken, beim Tägu geht das nicht, man kann nur ins Archiv, wenn man dafür bezahlt. So mache ich halt jetzt nur Werbung für das Journal.
Freitag, 11. April 2008
Ich habe Demokratie erlebt
Doch plötzlich begann sich für mich die Stimmung in der Schweiz jener in Togo zu ähneln. In der Ejadema-Diktatur war es unmöglich in der Öffentlichkeit seine persönliche politische Meinung zu äussern. Man musste befürchten, dass irgend jemand einen bei Ejademas Killertruppe anschwärzte und diese einen verschwinden liessen. Als ich 14 Jahre alt war, liess Ejadema meinen Onkel Kofi Kongo umbringen und meine ganze Familie lebte fortan unter genauster Beobachtung.
Dabei waren wir Ewes in der Mehrheit und Ejademas Stamm bildet die Minderheit. Ich erinnere mich genau, wie das alles anfing. Über eine lange Zeitperiode baute sich der Meinungsterrorismus auf . War es anfänglich noch möglich an den Wahlen teilzunehmen, verzichtete man mit der Zeit aus persönlicher Sicherheit auf dieses Recht. Man wusste ja nie. Und irgendeinmal begannen wir das Land zu verlassen, besonders wenn Wahlen angesagt waren. Denn es kam immer mehr vor, dass unsere Leute verschwanden und später tot im Meer treibend gefunden wurden. Was da genau passierte, wussten wir nie und fanden es auch nie heraus.
Plötzlich kam es mir vor als würde hier in der Schweiz derselbe Prozess in Gang kommen. Keine Wahlen mehr wo nicht die SVP gewann, Sitz um Sitz zu legte und gleichzeitig die Rhetorik immer gehässiger werden liess bis zum heutigen Tag. Gegen jede und jeden der oder die eine andere Meinung hatte, die Linken und Netten, dann die Weichsinnigen, dann die Ausländer und in der Weltwoche heute schon wieder die Juden. Und jetzt als vorläufiger Höhepunkt der Rachefeldzug des verbitterten Blochers, der mich mehr und mehr an den alten Diktatoren Ejadema erinnert, gegen Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Dabei warnte uns Blocher's Schwester hier im "Bieler Tagblatt" schon vor Jahren: ihr Bruder sei ein Gefährlicher. Wir fangen an zu begreifen.
Doch heute erlebte ich etwas was ich weder in Togo noch in Ghana in dieser Form beobachten konnte. Ich nahm zum ersten Mal hier in der Schweiz an einer Demonstration teil, einer sehr friedlichen, bunten und in ihrer Entschlossheit überwältigenden Stimmerhebung von mehr als 10'000 Menschen. So etwas hätte ich mir nicht vorstellen können und auch gar nicht, dass das in mir so starke Emotionen wecken würde. Wie staunte ich ob all diesen Frauen und Männern aus allen Schichten der Schweizer Bevölkerung aus allen Landesteilen. Besonders überrascht war ich, dass nicht nur gleichaltrige und jüngere Menschen auf dem Bundesplatz waren, sondern besonders auch viele jenseits des Pensionsalters, viele Menschen der Blocher Generation waren da und applaudierten und freuten sich an den klaren Statements für eine Schweizer Demokratie voller Respekt für andere Meinungen und gegen die Ausgrenzung. Ich habe diese Demonstration als Zeichen erlebt und als Grenzziehung gegen die heutige SVP-Führung, die lieber heute als erst morgen ihren Abschied gibt und den Gemässigten und Vernünftigen in ihren Reihen Platz macht.
Als heute Nachmittag überraschend Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf auf dem Bundesplatz erschien, bahnte sich die Sonne einen Weg durch den Regen verhangenen Himmel. Das traf mich im Herzen und ich konnte jubeln. Ich verlor eine sich lange aufgebaute innere Spannung. Die Angst, das Ejadema-Gespenst wich endlich von meinem Herzen.
Nun hoffe ich, dass sich die SVP auf den Weg macht und sich von ihrem Joch befreit. Ich glaube nicht, dass ich danach wirklich Sympatien für die Inhalte dieser Partei entwickeln könnte. Aber ich würde mich freuen, mich mit SVP-Politikern auseinanderzusetzen und um Positionen zu kämpfen. Ich möchte das frei von Angst tun von ihnen verunglimpft und wegen meiner Herkunft und meiner Hautfarbe ausgegrenzt zu werden.
Ich hoffe, das Eveline, wie sie heute von allen im Chor gerufen wurde, mit unserer heutigen Sympathiekundgebung gegen die Perfidie eines Burebüeblis Brunner - ich kannte das heute im vielstimmigen Chor auf dem Bundesplatz gesungene Lied über das Burebüebli von meinen Patienten im Alters- und Pflegeheim, die das hie und da anstimmen - bestehen wird.
Heute lernte ich, dass mein Mann Recht hatte, wenn er mich darin korrigierte die Schweiz falsch einzuschätzen. Ich konnte es nicht fassen, dass Messerstecherinserate, nach Schweizerpässen greifende farbige Hände und schwarze Schafe nur die Meinung einer irregeleiteten Minderheit und nicht die Schweiz darstellte. Heute durfte ich zusammen mit mehr als 10'000 Schweizerinnen und Schweizer direkte friedliche Demokratie erleben . Ich sah, wie Anstand, menschlicher und politischer Anstand, eingefordert wurde.
Wir werden das Kommnende gemeinsam mit Eveline Widmer-Schlumpf durchstehen und nicht aufgeben eine auf Ausgleich und Kooperation ausgerichtete Demokratie wieder einzurichten.
Mit heute ging die Aera Blocher vorbei, bald schon wird sie abgeschlossen sein, im Mottenschrank der Geschichte zusammen mit anderen Extremisten.
95000 in 5 Tagen
Interessant ist auch, dass die Medien konsequent diese Form der demokratischen Willenskundgebung fast vollständig ignorieren. Hoffentlich kommen heute Nachmittag ebensoviele Leute nach Bern. das wird dann weder von den Medien noch von den Zürcher Rechtsauslegern zu ignorieren sein. Heute Abend wird klar sein, dass das Volk gesprochen hat und Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf ein zweites Mal gewählt wurde.
Donnerstag, 10. April 2008
Forza Evelin
Auch diese Seite wurde sabotiert, nachdem bereits über 6'000 Unterschriften zusammen kamen. Und auch Zurflüh musste die Seite neu aufsetzen.
Ich fände es gut, wenn Zurflüh auf seine Seite einen Link zur Alliance F machen würde, so dass sich hier auch seine UnterstützerInnen noch eintragen können. Es sollte keine einzige Stimme verloren gehen.
Mittwoch, 9. April 2008
50'000 Grenze gesprengt
Wäre das ein Referendum gewesen, wäre es die schnellst je realisierte Unterschriftensammlung in der Geschichte der modernen Schweizer Demokratie gewesen, nämlich in nur drei Tagen.
Parallel zu diesem Vorgang inszeniert sich Blocher wieder selber und lädt den nicht gerade als Linksliberal bekannten Alt-Bundesrat Rudolf Friedrich zu einem Gespräch ein. Im Schlepptau sein Jünger Brunner. Damit wäre wieder klargestellt, wer Herr im Hause ist.
Swisstext meldet heute auch, dass an der heutigen Rundschau die Alt-Bundesrätinnen Dreifuss und Kopp zu Wort kommen würden. Auch Christine Brunner will sich zur Sache äussern.
Diese zwei Meldungen genossen heute Nachmittag Bevorzugung. Dass zu diesem Zeitpunkt bereits 40'000 Protestnoten registriert wurden, war der Swisstxt eine Bemerkung im letzten Block der Blocher Gesprächsofferte wert.
Mal schauen, wie die Medien morgen auf die Rundschau reagieren und ob sie weiterhin Blocher als Auflagenbolzer einsetzen und möglicherweise die Widmer-Schlumpf-Solidaritätskundgebung als Blocher-Angriff uminterpretieren. Wundern würde es mich nicht.
Sabotage des Servers von Alliance F
Auf diese Weise wollen Anhänger der SVP einen demokratischen Akt verhindern und so torpedieren sie die freie Meinungsäusserung. Das sind die Geister, die Blocher rief und die nun mit dem Zweihänder für ihr Recht und ihre Ordnung sorgen.
Ich glaube, dass auch damit die Unterstützungswelle für einen anständigen Diskurs in der Schweizer Politik nicht zu stoppen ist. Wer heute eine Webseite killt, wird morgen auf der Strasse Gewalt sähen. Davon muss sich die SVP nun klar distanzieren.
Solidarität mit Eveline Widmer-Schlumpf
Vergleichbares hat es wohl in der Schweiz noch nie gegeben. Man könnte schon fast sagen, dass die SVP die Quittung bekommt und das Volk quasi jetzt das erste Mal eine Bundesrätin wählt, resp. nachwählt. So wollte die SVP das doch immer! jetzt dreht sich der Spiess gegen sie selber.
Ich bin sehr gespannt, wie die SVP auf diese Kundgebung reagiert und ich bin auch sehr gespannt, wie die Medien mit diesem Solidaritätsakt umgeht. Wie werden sie das so drehen, dass es wieder auf die Mühle Blocher geht? Blocher und seine Mannen sehen heute noch älter aus als nach der Abwahl. Schade, können wir deren langen Gesichter nicht sehen.
Dienstag, 8. April 2008
Protestnote der Alliance F
Schon jetzt kann man von einem klaren Votum aus der Bevölkerung gegen die unanständigen Attacken der SVP-Führung sprechen, die sich definitiv in einer Art Rachsuchtanfall verrannt hat. Sie sollte zu Sinnen kommen und sich bei der SVP-Bundesrätin Widmer-Schlumpf, beim Bundesrat und bei der Bevölkerung entschuldigen:
Hier der Link zur Protestnote: Alliance F
Und hier der Link zum SF-DOK "Die Abwahl - Die Geheimoperation gegen Christoph Blocher" der die SVP-Oberen offenbar so verärgert und in einen Blutrausch versetzt hat.
Was sind die wahren Absichten der SVP?
" Seit ich in der Schweiz lebe weiss ich, dass eine neue oder ein neuer Bundesrat die erste Bilanz nach 100 Tage in der Regierung zieht. Bis es soweit war, wurde er oder sie in Ruhe gelassen, um sich ins verantwortungsvolle Amt einleben zu können.
Ist diese Tradition nun zu Ende, beendet durch eine SVP, die sich doch sonst immer auf die Traditionen der Schweiz beruft? Die SVP zerstört diese Tradition mit einer unangenehmen Propagandaschlacht, die alles andere, wichtigere fast vergessen lässt. Alles was wir in den Zeitungen lesen oder am TV sehen sind die Forderungen der SVP.
Es ist doch nun höchste Zeit, dass wir vorwärts gehen. Ich selber habe genug davon wie alte News zu neuen News hoch stilisiert werden, die gar keinen Newsgehalt mehr haben. Seit dem 12. Dezember hören und lesen wir dasselbe. Gibt es denn nicht genug andere Storys, um darüber zu schreiben oder zu lesen? Warum bekommt die SVP so viel Aufmerksamkeit für diese überbordende Propaganda?
Mich würde es interessieren, was Frau Bundesrätin Widmer-Schlumpf nach 100 Tagen im ehemaligen Justizdepartement des Herrn Blocher zu sagen, was sie dort angetroffen hat.
Die Abwahl Blocher war und ist für ihn hart. Er will vermutlich immer noch jemanden dafür bluten sehen und sein Gesicht retten. Aber ich bin sicher, es funktioniert auf diesem Weg der billigen Rache nicht. Selbst wenn die SVP Frau Widmer-Schlumpf zermürben könnte und sie zurück träte, Herr Blocher bliebe abgewählt. Es würde ihn nicht zurück bringen.